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Die Arbeit am Tonfeld ist eine salutogenetisch (saluto = die Gesundheit
betreffend, Genese = Entstehung) orientierte Methode mit Tonerde, um seelische
Entwicklung zu begleiten, zu fördern oder Grund-legend aufzubauen. Entwicklung meint hier konkret die Art und
Weise, sich Möglichkeiten zur Aneignung von »Welt« zu erschließen oder neu bewerten.
Die Arbeit gründet auf der Vorstellung, dass der Mensch nicht schon immer irgendwie jemand
ist, sondern dass er sein Personsein mit der Zeit formt, indem er sich
artikuliert. Der Vorgang der Artikulation selbst hat schöpferische Bedeutung – nicht das Was, das zum Ausdruck oder zur Gestalt gebracht wird, sondern das
Wie. Wann immer der Prozess der Aneignung ins Stocken geraten ist, treten auf längere Sicht Entwicklungsstörungen auf. Die Arbeit am Tonfeld ist die direkteste und damit auch eine der
wirkungsvollsten Methoden, diesen Prozess neu anzuregen oder auf den Weg zu
bringen.
Das Setting
Auf einem Tisch steht ein flacher Kasten, ausgestrichen mit Tonerde. Daneben
befindet sich eine Schale Wasser. An der Seite – bei der Arbeit mit Kindern auch am Tisch gegenüber – sitzt der Begleiter. Die Arbeit beginnt ohne konkrete Handlungsaufforderung.
Erwachsene werden einfach gebeten, mit geschlossenen Augen zu versuchen, das
Feld einfach mal wahrzunehmen (Kinder arbeiten mit offenen Augen). Das
flachgestrichene Tonfeld gibt dabei, anders als irgendein Gebrauchsgegenstand,
keinerlei Hinweis, dass mit ihm etwas bestimmtes getan werden könnte. Und so ist es die eigene Bewegung, die erste Formen im Material entstehen
lässt, die dann als erste Vorgestalten auf einmal wahrgenommen werden und neue
Bewegungsimpulse auslösen. In der Art Bewegung liegt dabei immer ein bestimmter Ausdruck oder Affekt,
eine Zögerlichkeit oder Lust oder was auch immer, in der sich derjenige, der dort
arbeitet sich in seiner Befindlichkeit selber erfährt. Diese Befindlichkeit ist am Anfang diffus und unbestimmt, und indem sie
sich in der Bewegung zeigt und im Ton abbildet, entwickelt sich daraus in einer
sehr genau rekonstruierbaren Grammatik allmählich eine Gestalt, die dieser Befindlichkeit am besten entspricht und damit
fassbar wird. Geht es um den diffusen Wunsch, Halt und Sicherheit zu finden,
werden vorzugsweise Berge, Griffe oder Türme entstehen, geht es um Berührung, werden eher Höhlen oder Schalen gefunden. Oder wenn Behauptung und Positionierung das
eigentliche, noch ungeklärte Bedürfnis ist, wird eine Gestalt in der Mitte auftauchen – eine Kugel, ein Turm, wie auch immer.
Was geschieht innerlich?
Die Arbeit wirkt auf den ersten Blick zunächst unspektakulär, wie Basteln. In Wirklichkeit vollzieht sich hier ein Prozess des
Sich-selbst-verständlich-werdens, eine Aneignung der eigenen Person und Biographie. Viele
Erfahrungen sind mit Tabus, verborgenen Ängsten, verinnerlichten Erwartungen, Nicht-gut-genug-sein-Gefühlen u.ä. belegt. All diese Aspekte, die das eigene Personsein im Kern ausmachen, drücken sich in der Geste der Hände aus, können nun aber anders angesprochen und damit auch anders aufgefasst werden. Diese
innere oft unbewusste Umbewertung von Handlungsschemen setzt
Entwicklungsimpulse, oft auch neue Entdeckungslust frei und das Empfinden,
Autor der eigenen Biographie zu sein oder sein zu können, selbst-bestimmt und nicht durch Rollen oder Außenzwänge fremdbestimmt. Daraus erwächst ein anderes Selbst-Verständnis und Selbstbewusstsein. Der weitere Entwicklungsweg setzt sich anders fort,
etwas mutvoller, wacher, kraftvoller, in sich ruhender, unaufgesetzter, natürlicher – auch ohne sprachlich darüber reflektieren zu müssen. Kinder entwickeln sich ausschließlich über diese Erfahrung weiter. In der Arbeit mit Erwachsenen eröffnen sich darüber hinaus auch Einsichten durch das Abschlussgespräch.
Wann empfiehlt sich die Arbeit?
Bei Kindern in Fällen von
auffälligem Sozialverhalten
Bettnässen
Konzentrationsschwierigkeiten, Schulschwierigkeiten
AD(H)S
mangeldem Selbstwertgefühl
übertriebener Schüchternheit
Antriebsschwäche oder Motivationslosigkeit
mangelnder Fantasie o.ä.
Bei Erwachsenen in Fällen von
Sinn- und Lebenskrisen, Bewältigung von Umbruchsituationen
Blockaden, (sozialen) Ängsten, Traumabewältigung
Überforderungen, Stress, Ausgebranntheit
mangelnde Vitalität, Antriebslosigkeit
mangelndem Selbst-Vertrauen
erstarrten Lebensprozessen u.ä.
Dauer
Eine Tonfeldsitzung – ohne Vor- und Nachgespräch – dauert üblicherweise zwischen 15 und 40 Minuten. Das Ende wird nicht vom Begleiter,
sondern vom Klienten bestimmt, wenn er das Gefühl hat, fertig zu sein. »Fertig« im Sinne der Tonfeldarbeit ist eine Arbeit dann, wenn die Hände erfüllt sind (der/die Arbeitende vom eigenen Tun also selber berührt ist), gleichzeitig eine Distanz gegenüber dem Objekt erreicht ist (Ablösung oder Freistellung des »Ich«), eine innere Ausrichtung gewonnen wurde (eine größere innere Klarheit über eigene Wollen, Wünschen, So-sein) und der rekonstruierte Sinngehalt in einen größeren Zusammenhang gestellt werden kann.
Termine
Nach telefonischer Vereinbarung
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