Durch meine jahrelange Tätigkeit als Wissenschaftsautor bin ich zu teils sehr ausführlichen Gesprächen mit zahlreichen führenden Wissenschaftlern, Philosophen, Unternehmern, Dichtern und Denkern zu
zusammengekommen. Aus den Quervernetzungen über unterschiedlichste Themenbereiche und Disziplinen ist inzwischen ein
umfangreiches Gesamtbild entstanden. Dies eröffnet die Möglichkeit für oft ungewohnte, anregende oder »witzige« Perspektiven auf manche Themenbereiche. Mit meinen Vorträgen möchte ich nicht nur lebendiges Wissen vermitteln, sondern auch die Inspiration
wecken, anregen zum »schrägen Blick«.
Meine Vortragsthemen:
neue physikalische Denkansätze, Bewusstsein zu begreifen
Über den kleinen Unterschied von Spaß und Lust, von Vergnügen und Fülle
Über die Irrtümer des Fortschrittglaubens.
Wie passen die beiden fundamentalen Welterklärungsmodelle zusammen?
Alle Vorträge sind konzipiert für jeweils anderthalb Stunden. Sie können per e-mail FalkFischer[at]web.de oder telefonisch gebucht werden.
¶ Vom Urknall zum Bewusstsein
Sucht man nach einem möglichst einheitlichen Extrakt von Bewusstseins-erfahrungen, unabhängig von der jeweiligen Kultur, dann ist es die der universellen Verbundenheit.
Die moderne Wissenschaft erklärt alle Erfahrung aber für nichtig, d.h. für eine Form von Informationsverarbeitung, wie sie auch in Computern prinzipiell
simuliert werden könnte. Gleichwohl gibt es weder in der Hirnforschung, noch auf Seiten der Künstlichen-Intelligenz-Forschung auch nur den hauch eines Ansatzes, wie
Bewusstsein, Erfahrung, Sinneseindrücke u.ä. überhaupt wissenschaftlich beschrieben werden könnten. Physiker haben dazu inzwischen ganz andere Bewusstseinstheorien
entwickelt, die weit über die Vorstellungen klassischer Informationsverarbeitung hinausgehen. Die
Tatsache, dass Wissen gewusst werden kann, führt immer in Unendlichkeitsschleifen, die in einer physikalischen Theorie des
Bewusstseins dann auch auftauchen müssen. Das bedeutet aber, dass Bewusstsein nicht als ein lokales Phänomen im Kopf eines Menschen betrachtet werden darf, sondern dass alles Denken
und Fühlen auf subtile Weise mit der Kreativität des Kosmos und dem Urknall verknüpft ist.
¶ Philosophie der Kreativität
Computer sind heutzutage bereits in der Lage, wunderbare Melodien zu
komponieren, Bilder zu zeichnen, experimentelle Gedichte zu schreiben. Dennoch
würde kein Mensch, behaupten, sein Computer sei ernstlich kreativ, solange dieser
nicht weiß, was er auf seinen Schirm schreibt oder malt. Bisher unterscheiden allerdings
nur selten moderne Kreativitätsforscher zwischen Innovativität oder Originalität und Kreativität. Einen Sonnenuntergang am Bodensee zu malen, mag bis zum Anschlag kontemplativ
sein. Auch hat noch nie jemand zuvor eben dieses Bild gemalt. Aber kreativ
braucht der Akt deshalb noch längst nicht zu sein. Wirklich schöpferische Tun meint immer eine Arbeit am Selbst bzw. ein Bilden zu sich selbst,
wobei dieses »Selbst« nicht als etwas schon vorgeformt Fertiges gedacht werden darf, sondern sich im
Tun erst eröffnet und klärt. Diese Sichtweise hat Konsequenzen für den Umgang mit Kreativität in wirtschaftlichen Zusammenhängen. Wirkliche Kreativität lässt sich nicht instrumentalisieren, und doch ist es nicht völlig unmöglich, sie in den Dienst einer Sache zu stellen. Hier gilt es, ein Paradox zu lösen, das von ähnlicher Art ist wie jenes Paradox, das der Schauspieler Kurt Götz einmal so formulierte: Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen, man muss
aber auch schauen, dass die Dinge so kommen, wie man sie gerne nehmen möchte.
Wenn wir als Säuglinge auf die Welt kommen, brauchen wir nur zu schreien, und alles, was wir in
unserem kleinen Kosmos an Wünschen haben können, kommt wie magisch zugeflogen: Nahrung, Nähe, Berührung, Wärme, Bewegt-werden usw.. In diesem Sinne sind wir beinahe allmächtig, verfügen aber über fast noch nichts. Für den »Rest des Lebens« geht es nun vor allem darum, uns selbst zu bestimmen, unserer selbst bewusst zu
werden, herauszufinden, was wir wollen, wie wir uns verwirklichen, wer wir
sind. Wir müssen uns begreiflich werden, und dieser Akt setzt auf elementarster Ebene im
Greifen an. In der Art unseres Greifens – zögerlich, gierig, kontrolliert, verhalten, lustvoll usw. – bilden wir unsere Auffassung von der Welt, bilden wir uns selbst.
Anhand der Arbeit am Tonfeld® lässt sich auf eindrucksvolle Weise zeigen und darstellen, wie dieser
wechselseitige Bildungsprozess zu uns selbst angelegt ist, welche Grammatik
darin steckt. Und sie lässt auch erkennen, wie ethische Werte in die Welt kommen, wie Menschen ihre
innere Ausrichtung gewinnen, wo sie sich verlieren können. Aus der simplen Doppelempfindung von »Ich berühre« und »Ich bin berührt« entfaltet sich der gesamte Sinnkosmos. Von hier ausgehend lässt sich ein tiefes Verständnis für die Entwicklung und die Grund-legenden strukturellen Bedürfnisse des Menschen gewinnen.
¶ Eine kleine Philosophie des Glücks
Glücksforschung ist »in«. Die meisten Menschen erklären »Glücklich sein« zum vorrangigen Ziel ihres Lebens. Wenn so viel Lebensenergie aber darauf
verwandt wird, diesen Zustand zu erreichen, warum ist er dann nur so flüchtig? Und was meint überhaupt »Glück«? Glück im Lotto, Glücksgefühle eines Rausches, Verliebtheitsglück, Glückserleben in der Sexualität, Spaß haben? Oder gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen Glück und Spaß?
Meine These ist, dass Glück kein wirklich brauchbarer Begriff ist. Er ist viel zu schillernd und
nebelhaft belegt und liefert keine Orientierung, nach was sich denn nun zu
streben lohnt. Viel geeigneter erscheint dagegen der Begriff des Erfülltseins. Sich zu erfüllen, setzt ein Tätig-sein voraus, aber kein beliebiges, sondern von der Art, dass es denjenigen,
der da tut, auch in eine innere, eigene Ordnung bringt, dass etwas zur Gestalt
wird, was dem eigenen Tun ganz entspricht. Darin liegt freilich eine mehrfache
Schwierigkeit. Ein solches Tätig-sein setzt einen Wunsch voraus, der sich selbst auch erst mal bilden muss.
Es setzt einen »Stoff«, eine Situation, ein Arbeitsfeld voraus, an dem der anfänglich vielleicht diffuse innere Zustand überhaupt eine Konkretionsmöglichkeit erfährt. Dieser »Stoff« muss in seinen Bearbeitungsmöglichkeiten dann auch den eigenen Möglichkeiten entsprechen. Und – nicht zu vergessen – man muss in dem, was man tut, gesehen werden, besser noch: erkannt werden, auch
anerkannt. Kluge Denker haben hierzu eine ganze »Grammatik« erarbeitet, die die inneren Logiken dieses Erfüllungsprozesses aufzeigen. Sie können als guter Wegweiser dienen auf der Suche nach dem erfüllten Glück.
¶ Die Kunst zu wissen und das Wissen der Kunst
Lange Zeit – und vielfach auch heute noch – regierte die Vorstellung, dass modernere Technologien und »Denkverstärker« den Wissenshorizont beständig erweitern würden, bis irgendwann die meisten weißen Flecken auf der Karte des Unwissens getilgt sind. Den Wenigsten ist aber
wirklich bewusst, dass der Horizont des Wissbaren prinzipiell begrenzt ist. Ein
noch so utopisch gedachtes Superhirn kann unzählige Aspekte der Wirklichkeit nicht wissen, dann nämlich, wenn bestimmte Zusammenhänge wirklich komplex werden. Komplex bedeutet, dass Ursachen und Wirkungen so
vielfältig sind und so stark ineinandergreifen, dass sich das Kausalgesetz und somit
auch der Wissensbegriff selber auflöst. Ein Großteil moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse kann nur noch als Mehrheitsglaube
formuliert werden im Sinne von: Die Mehrheit der Wissenschaftler glaubt
inzwischen, dass…. .Wissen wird somit abhängig von Grundüberzeugungen, die kulturellen Denkströmungen entspringen, aber nichts mehr mit Objektivität zu tun haben. Demgegenüber ist der Bereich des Erkennbaren – wie z. B. Charisma, Präsenz, Stimmungen etc. – wesentlich größer gefasst. So steht das Wissen als solches heute an einer ähnlichen Schwelle wie die klassische Physik vor gut 100 Jahren, als mit der
aufkommenden Quantenmechanik der Boden vermeintlich sicherer, klassischer
Begriffe völlig entzogen wurde. Indem sich die Physik jedoch eine neue Symbolsprache schuf,
die die Existenz prinzipieller Unbestimmbarkeiten (meist fälschlich als Unschärfen bezeichnet) fundamental mit einbezog, erlaubte sie tiefere Einblicke und
genauere Vorhersagen in die Naturvorgänge als jede andere Theorie.
In völlig analoger Weise scheint heute ein grundlegender Erkenntnisfortschritt nur
dadurch möglich, dass Wissenschaft ihren Objektivitätsanspruch modifiziert und auch Subjektivität als essenziellen Bestandteil von Erkenntnis mit einfließen lässt und integriert. Wissenschaft wird damit zur Kunst. Beides verfließt ineins. Dadurch weicht keineswegs das Wissen auf, sondern findet nur eine gemäße Form, die kein Wissen behauptet, wo keines in Klarformat finden ist, die aber
umgekehrt in vielen Bereichen ungleich präzisere Aussagen ermöglicht, wo der Rückzug auf reine Objektivitätsbetrachtungen nur Banalitäten und Vagheiten liefert.
¶ Grenzen der Wissensgesellschaft
Früher war Öl der wichtigste Rohstoff, dann das Kapital, heute ist es Wissen. Kinder müssen schon frühzeitig gePISAckt werden, sollen so schnell wie möglich in das »Abenteuer Wissen« eindringen, um später taugliche Wirtschaftsmitglieder zu werden, um den Wirtschaftsstandort
Deutschland langfristig sichern zu helfen, um im Wettbewerb einmal bestehen zu
können. – Wissen für andere, nie für einen selbst.
In der Forderung nach stetig mehr Wachstum und mehr Wettbewerb scheint sich nie
die Frage zu stellen: Wann ist denn die Wirtschaft mal groß genug, dass sie nicht mehr wachsen muss? Und wann gibt es genug Wettbewerb?
Wozu braucht man überhaupt so viel Wissen, was mit einem selbst, den eigenen Interessen und dem
eigenen Leben oft nichts mehr zu tun hat. Wenn Fortschritt eher krank und
gehetzt macht als gesund und ausgeglichener, warum dann dieser ständige Antrieb nach noch mehr Forschung und Weiterentwicklung.
Fortschritt hat heute genau betrachtet nichts mehr mit einer irgendwie gearteten
Aufwärtsbewegung zu tun, sondern meint nur noch fort um des Fortschreitens willen.
Das Übermaß angehäuften, oft beziehungslosen Wissens macht Wissen zu einem brisant gefährlichen Gut. Wissen stellt eine Art Handlungsprothesen bereit (durch Einsatz
von Maschinen und Computern), die weit über das hinausgehen, was noch sinnlich nachvollzogen oder integriert werden
kann. Die Gefühls-Bildung kommt der Wissens-Bildung nicht hinterher. Daraus resultiert
letztendlich auch das gewaltige Ausmaß an Naturzerstörung. Eine Wissen(schaft)ssprache ist immer eine Sachsprache – keine lebensgemäße Sprache, die auch noch Wärmequalitäten enthielte. Wenn es aber nicht gelingt, diese »Wärmequalitäten« auf irgendeine Weise wieder einzuholen, verknöchern Wissensgesellschaften an ihrem eigenen Wissen.
¶ Über die Sinne zum Sinn
5 Sinne hatte Aristoteles dem Menschen zugedacht, orientiert an den sichtbaren
Sinnesorganen. Gleichgewicht, Temperatursinn, Leibwahrnehmung, Sexualität uvm, sind Empfindungsqualitäten, die nicht als Mixtur der üblichen 5 Verdächtigen zu verstehen sind. Wenn Pädagogen heutzutage oft anmahnen, Kinder müssten wieder mehr ihre Sinne schärfen, mehr schmecken, riechen usw., wirkt das oft blass und hilflos. Als wäre dadurch schon viel gewonnen.
Die Naturwissenschaften bieten keinerlei Erklärungsansatz für die Herkunft und das Wesen von Sinnesqualitäten. Dementsprechend unterbelichtet ist ihr Stellenwert, und hier insbesondere
der Leibsinn, oft (verfälschend) mit Tastsinn gleichgesetzt, der alle anderen Sinnesqualitäten organisiert. Lebenssinn entspringt einem Empfinden, zutiefst mit der Mitwelt
verbunden zu sein, aber hierfür einen Sensus zu entwickeln, Gefühls-Bildung zu betreiben, steht nicht auf der kulturellen Prioritätenliste. Die relative Geringschätzung menschlicher Wahrnehmungsfähigkeit, die mit Vorliebe als täuschbar vorgeführt wird, ohne ihren tatsächlichen Wert noch zu erkennen, führt bedrohlich in eine Art gesellschaftliche Verwahrlosung oder Abstumpfung. Die
dagegen sich formierenden pädagogischen und ethischen Diskurse muten oft hölzern an. Im Grunde braucht es eine andere kulturelle Grammatik, ein verändertes und kulturell geankertes Sinnes- und Sinnverständnis, um von einem überbordenden Funktionalismus wieder in eine natürliche Belebtheit zu finden.
¶ Naturwissenschaft und Religion
Die 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts waren tendenziell von der
Grundannahme geprägt, dass Wissenschaft die bessere »Religion« sei und sie früher oder später gänzlich ersetzen werde – im Siegeszug der Vernunft über den »vernunftlosen Glauben«. Bewahrheitet hat sich das nicht. Religion – oder besser: Spiritualität – wird wieder neu entdeckt, während sich gleichzeitig das Gottesbild und die Haltung zur Religion grundlegend
wandelt. Wissenschaft und Religion suchen den Dialog, der oft etwas künstlich wirkt. Wissenschaftler sind zwar häufig religionsphilosophisch stark, aber selten fromm. Dabei findet gerade die
Physik – im Gegensatz zur Bewusstseinsforschung und den Lebenswissenschaften – neuerdings höchst spannende Anknüpfpunkte wieder an die Religiosität. Letztlich erweist es sich als Irrglaube, anzunehmen, dass Religion jemals
ausdienen würde. Sie ändert sich in der Form und Praxis, steht aber auf lange Sicht keineswegs in
Konkurrenz zu den Wissenschaften.